Baggersee-Hechte kalt geködert!

Timo Kleinekämper auf Hecht!

Es gibt in Deutschland zahlreiche Baggerseen, die relativ groß und oft auch ziemlich tief sind. Sowohl Raub- als auch Friedfische haben hier ihr Reich gefunden. Eine gute Angelstelle an einem Baggersee auszumachen, erfordert schon etwas Detektivarbeit. Sich mit verschiedenen Abschnitten vertraut zu machen und die Qualität und Tiefe zu überprüfen, wird hier zur goldenen Regel. Wie ich in der kalten Jahreszeit meinen Baggersee-Hechten mit dem toten Köderfisch auf die Spur komme, erfahrt Ihr hier: 

 

Zunächst gehen wir mal von einem zirka 20 Hektar großen See aus, mit einer Durchschnittstiefe von schätzungsweise 12 Metern. Ich denke, das sind Eckdaten von Gewässern, wie auch Ihr sie in Eurer Umgebung vorfindet. Beim Eintreffen drängt sich sofort die erste und entscheidende Frage auf: Wo macht mein Ansitz Sinn? Wenig erfolgreich wäre es, sich wahllos eine Angelstelle am Ufer zu nehmen. Hier erfahrt Ihr von mir die richtige Kaltwassertaktik, um einen strammen Esox aus dem See zu heben. 

 

Als erstes würde ich mir ein Bild davon machen, aus welcher Richtung kommt der Wind am häufigsten. Es lohnt sich, auf der überwiegend windzugewandten Seite des Sees zu angeln. Das Oberflächenwasser wird vom Wind vermischt und ans Ufer gedrückt. Dieses signalisiert mehr Nährstoffe und Vegetation im Wasser, was wiederum Beutefische anlockt und dem Räuber das Maul so richtig wässerig macht. Wenn dann noch die Luft wärmer als die Wassertemperatur ist, wird das wärmere Oberflächenwasser automatisch nach unten gedrückt und es entsteht ein richtiger Hotspot zum Angeln mit dem toten Köderfisch. Schon ein leichter Temperatursprung in den unterschiedlichen Bereichen des Sees entscheidet zwischen Erfolg und Misserfolg. 

 

Auch wenn viele Angler an ihren Vereinsgewässern leider kein Boot benutzen dürfen, um ihre Montagen an den Spots zu platzieren, geht davon die Welt nicht unter. Gerade im Herbst und Winter stehen die Fische nämlich dicht an den steil abfallenden Kanten, die ohne Probleme mit einem gekonnten Wurf erreicht werden. Die Räuber verweilen in der Übergangszeit vom Herbst auf den Winter oft noch im Kraut, welches meistens am Ufer und an den abfallenden Kanten wächst. Am Fuß dieser Kanten, auf eben der windzugewandten Seite, stellt Ihr dann effektiv Eure „Fallen“ auf. Eine Fang-Variante, die mittlerweile sehr populär geworden ist – für mich ist das „Fallen stellen“ in der kalten Jahreszeit eine besonders raffinierte Erfolgsmethode!

 

Ich rate Euch, falls der Köder nach ein paar Stunden immer noch unberührt „links liegen gelassen“ wurde, die Montage um einige Meter seitlich zu versetzen. Wohl gemerkt nicht tiefer oder flacher, aber einfach mal fünf bis zehn Meter nach rechts oder links. Auf der Suche nach Beute ziehen die dicken Hechte oft von den unteren Regionen hoch und dann an der Uferkante entlang und anschließend wieder zurück. Bei einer Wassertemperatur von unter 10 Grad wird unser Zielfisch mit jedem fallenden Grad immer mehr vom Räuber zum Sammler. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass die Hechte in dieser Jahreszeit Fressrouten haben und diese dann zu bestimmten Tageszeiten abschwimmen, um leichte Beute zu machen. Und diese Bereiche heißt es zu finden!

 

An einem für mich neuen Gewässer würde ich den Speiseplan attraktiv gestalten. Das bedeutet: Die Ruten splitten, um auf diese Weise Weißfisch und Meeresfisch parallel anzubieten. Das ist der Grund, weshalb ich immer eine breite Palette an Baits im Gepäck habe. „Viel hilft viel!“ Und was den Angler am Wasser erwartet, wird er nie im Voraus wissen. An Baggerseen habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass schwebende Köder, z.B. mit dem Pop-Up Kit von Mr. Pike präsentiert, gute Erfolge garantieren und das besonders in kalten Monaten. Bei einer Wassertemperatur von unter fünf Grad würde ich dann allerdings den Köder eher grundnah anbieten. Bei schlammigen, moorigen Untergründen oder Algenbewuchs auf dem Gewässergrund empfehle ich, den Köder maximal eben schwebend anzubieten, so dass der Verführer knapp noch den Grund berührt. Spielend finden solche Baits dann ihre Abnehmer! 

 

Mit der Bereitschaft, beim Deadbaitangeln ein paar grundlegende Tipps in puncto Spotauswahl am Baggersee zu beachten, werdet auch Ihr schnell ein kapitales Exemplar eiskalt auf die Schuppen legen. Ein großes Gewässer zu beangeln, kann schon zu einer echten Herausforderung werden. Aber ich bin sicher, Ihr werdet Eurem Baggersee „die Stirn bieten“.

 

Ich wünsche Euch viel Erfolg am Wasser! 

 

Euer

 

Timo Kleinekemper, Quantum Team / Mr. Pike

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